Webinar OECD-Leitsätze und ihre Umsetzung in der Praxis: Das Wichtigste in Kürze

Seit 50 Jahren bieten die OECD-Leitsätze einen Rahmen für verantwortungsvolle Unternehmensführung an. Im Webinar «OECD-Leitsätze und ihre Umsetzung in der Praxis» zeigten Alex Kunze vom Seco, Matthias Leisinger von focusright und Ruth Blumer Lahner von KLK Kolb, wie Unternehmen die Empfehlungen entlang der Wertschöpfungskette konkret anwenden können: pragmatisch, risikobasiert und integriert in bestehende Management- und Qualitätssysteme.

Kernaussagen

Die OECD-Leitsätze lassen sich in bestehende Qualitätsmanagementsysteme integrieren oder können genutzt werden, um ein Managementsystem aufzubauen.

Zentral ist die Verankerung der verantwortungsvollen Unternehmensführung bei den Mitarbeitenden, insbesondere bei Verkäufern und Einkäufern, da sie in direktem Kontakt mit Stakeholdern stehen und diese direkt ansprechen können.

Oft ist in Unternehmen bereits viel Know-how zu potentiellen Risiken vorhanden, das für die Risikoanalyse und -priorisierung genutzt werden kann. Dieses gilt es abzurufen.

Wichtig ist der Fokus auf die relevanten Themen resp. Risiken. Gerade KMU sollten sich beschränken und risikobasiert vorgehen.

Externe Stakeholder können einen wichtigen Aussenblick auf die Risikobewertung liefern. Dies geht einher mit einer doppelten Wesentlichkeitsanalyse.

Unternehmensverantwortung ist nicht passé, obwohl bei Unternehmen aktuell andere Themen im Vordergrund stehen.

 

Was sind die OECD-Leitsätze?

Die OECD-Leitsätze enthalten Empfehlungen zur verantwortungsvollen Unternehmensführung über die gesamte Wertschöpfungskette. Sie existieren seit 50 Jahren und werden laufend aktualisiert, letztmals 2023. Die Empfehlungen decken eine breite Palette von Themen ab:

  • ­Offenlegung von Informationen
  • ­Menschenrechte
  • Beschäftigung und Beziehungen zwischen den Sozialpartnern
  • Umwelt
  • Bekämpfung von Bestechung und sonstigen Korruptionsformen
  • Verbraucherinteressen
  • Wissenschaft, Technologie und Innovation
  • Wettbewerb
  • Besteuerung

Ein nationaler Kontaktpunkt (NKP) ist für alle OECD-Länder Pflicht. Er sorgt dafür, dass die Leitsätze bei den Unternehmen bekannt sind und dass sie in den länderspezifischen Gesetzgebungen berücksichtigt werden. Zudem veranlasst der NKP aussergerichtliche Mediationen bei Verstössen.

Sorgfaltsprüfung Hand in Hand mit Qualitätsmanagement

Das Kernstück der OECD-Leitsätze ist die Sorgfaltsprüfung. Sie ist ähnlich wie der Plan-Do-Check-Act-Zyklus jedes Qualitätsmanagementsystems und kann damit einfach in ein bestehendes System eingebunden werden. Dabei sind folgende Fragen zu klären: Welche Prozesse haben wir bereits? Wo können wir welche Teile in bestehende Prozesse integrieren? Mit einem solchen pragmatischen Vorgehen, lässt sich bereits vieles erreichen.

Die OECD-Leitsätze können auch als Grundlage dienen, um ein Managementsystem aufzubauen. So lassen sich verschiedene Puzzleteile zusammenbringen, zum Beispiel lassen sich fragmentierte Anforderungen unterschiedlicher Kundensegmente übersichtlich darstellen.

Die wichtigsten Schritte der Sorgfaltsprüfung:

  • Verankern der verantwortungsvollen Unternehmensführung in Strategien und Management
  • Analyse und Bewertung der Risiken über die gesamte Wertschöpfungskette und Priorisierung
  • Massnahmen definieren zur Beseitigung, Verhinderung oder Minderung der Risiken
  • Überwachung der Wirksamkeit der Massnahmen
  • Transparente Kommunikation über den eigenen Umgang mit Sorgfaltspflichten
  • Beschwerdemechanismen und Bereitstellen von Anlaufstellen für die Wiedergutmachung

Mit Schulungen Unternehmenspolitiken verankern

KLK Kolb hat die Unternehmensverantwortung in verschiedenen Politiken zu relevanten Themen festgehalten. Dazu gehören auch die Verhaltensleitsätze für Mitarbeitende und Lieferanten. Damit diese mehr als nur Papiertiger sind, müssen sie bei den Zielgruppen verankert werden. Bei KLK Kolb werden Mitarbeitende und Lieferanten dazu geschult, bei Einkäufern und Verkäufern wird dies sogar jährlich wiederholt.

Internes Know-how als Basis

Bei der Risikoanalyse und -bewertung können zahlreiche Tools unterstützen. Ein gutes Tool, das von Bund kostenlos zur Verfügung gestellt wird, ist der CSR Risiko Check.
Viel Wissen ist jedoch im Unternehmen bereits vorhanden, das sollte unbedingt genutzt werden. Insbesondere Einkäufer und Verkäufer kennen Lieferanten und Kunden und deren jeweilige Risiken sehr gut.

Risikobeurteilung und doppelte Wesentlichkeit

In einem Unternehmen gibt es zahlreiche Risiken über die gesamte Wertschöpfungskette. Bei der Risikobeurteilung gilt es, die schwerwiegendsten Themen zu priorisieren. Neben dem reinen Inside-Out-Ansatz kann auch die Outside-In-Sicht wertvoll sein, für die Kunden, Lieferanten und weitere Stakeholder einbezogen werden. Auch wenn die Themen dabei oft ähnlich sind, können die beiden Ansätze bei der Bewertung der Risiken deutliche Unterschiede zeigen. Die Aussensicht ist für ein Unternehmen sehr hilfreich, es kann viel über die vorgelagerten Produkte und die Prozesse lernen. Eine solche doppelte Wesentlichkeitsbetrachtung kann auch auf «kleiner Flamme» mit nur wenigen externen Partnern durchgeführt werden.
Um Massnahmen zu entwickeln und umzusetzen, können sektorspezifische Plattformen sehr hilfreich sein (z.B. Kakao-Plattform).

Lieferanten integrieren

Um Daten aus der Lieferkette zu beschaffen, z.B. für einen Carbon Footprint, oder um Massnahmen zu definieren und umzusetzen, ist der Dialog mit Lieferanten entscheidend. Auch dabei spielen die Einkäufer als direkte Ansprechpartner der Lieferanten eine wichtige Rolle. Sie können diese Themen bei ihren üblichen Gesprächen einbringen. Dazu ist es wichtig, die internen Stakeholder-Kontaktpunkte zu schulen. Es müssen nicht von Anfang an alle Stakeholder integriert werden. Auch hier gilt es, die wichtigsten zu identifizieren.

Nicht warten, jetzt handeln

Obwohl bei vielen Unternehmen aktuell die Bewältigung von geopolitischen Risiken grossen Raum einnimmt, bleiben soziale und ökologische Risiken auf der Agenda, werden teilweise aber anders priorisiert.
Mit der Anwendung der OECD-Instrumente sind Unternehmen auf dem richtigen Weg, nationale und internationale gesetzliche Anforderungen zur Sorgfaltsprüfung zu erfüllen. Deshalb: Beginnen Sie heute. So sind Sie für aktuelle und zukünftige Anforderungen gerüstet.

 

Weiterführende Informationen

 

Die Präsentationen

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